Wolfshatz

2021-06-30

Rational ist es nicht nachvollziehbar, wie derzeit medial auf den Durchzug einiger weniger Wölfe von Landwirtschaftskammer-Präsident Moosbrugger und Landesrat Gantner reagiert wird. Unser Ausschussmitglied Ulli Schmid hält mit ihren fachlich und sachlich qualifizierten Leserbriefen dagegen und entlarvt diesen hysterischen Ruf nach Abschuss (noch bevor sich ein Wolf hier angesiedelt hat) als das was es ist: eine unqualifizierte Hetze gegen den Wolf, ein faszinierendes und europarechtlich streng geschütztes Tier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier meine Rückmeldung an Landesjägermeister Dr. Breier zur JHV der Jägerschaft 2021:

Sehr geehrter Herr Landesjägermeister Dr. Breier,

wie Sie wissen, war ich in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Alpenschutzvereines für Vorarlberg als Gast bei der JHV der Jägerschaft eingeladen und habe die Berichte über die Vereinsaktivitäten mit Interesse verfolgt.

In unserem Verein widmet sich im Speziellen unser Ausschussmitglied MA Ulli Schmid dieser Thematik. Ihre Leserbriefe zu diesem Thema, insbesondere zu den großen Prädatoren, werden zwar nicht im Namen des Alpenschutzvereines veröffentlicht, stimmen aber inhaltlich mit der Haltung des Vorstandes überein, was auch durch die Veröffentlichung in unserer Homepage www.alpeschutzverein.at  zum Ausdruck kommt. Auch habe ich selbst mehrmals zur Thematik Wald/Wild für unseren Verein in Leserbriefen Stellung bezogen.

Was mich als Vertreter einer Naturschutzorganisation bzw. als Gast verwundert hat, waren nicht so sehr die radikalen Statements von Landwirtschaftskammer-Präsident Moosbrugger und Landesrat Gantner, dass der Wolf bei uns keinen Platz hat und dass die Forderung zur Aufweichung des Schutzstatus gemeinsam mit der Jägerschaft an die EU herangetragen werden soll, sondern das einheitliche Schweigen der Jägerschaft und des Präsidiums dazu.

Muss ich dieses Schweigen als Zustimmung deuten, oder gibt es in der Jägerschaft doch auch differenziertere Meinungen? Zumindest mit einem Jungjäger habe ich gesprochen, der Wolf und Luchs als Bereicherung unserer Fauna begrüßen würde.

Forderungen nach Beibehaltung einer Alm- und Weidewirtschaft ohne Herdenschutzmaßnahmen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Verlangen einer „wolfsfreien“ Kulturlandschaft, sind unionsrechtswidrig. Sie zielen darauf ab, niemals den normierten günstigen Erhaltungszustand für den prioritär und streng zu schützenden Wolf, eine Art von gemeinschaftlichem Interesse, zu erreichen. Der Wolf befindet sich in der EU großenteils noch immer in einem ungünstigen Erhaltungszustand und ist gefährdet. Österreich hat mit 0,39 Wölfen pro 1.000 km² die EU-weit geringste Besiedelungsdichte mit Wölfen. Zum Vergleich: die Besiedelungsdichte in der Slowakei liegt bei 9,30 Wölfen pro 1.000 km², in Rumänien bei 11,54 und in Lettland bei 17,92 Wölfen pro 1.000 km².

 

Auch Sie selbst haben in Interviews den Wolf als marginales Problem gesehen, den Luchs dagegen als wesentlicheres Problem bezeichnet. Was meinen Sie damit konkret und was sind die Ziele des Monitorings, bzw. die angekündigte Bestandserhebung von Wolf, Luchs und Wildkatze in unserem Land?

Bei einer Infragestellung des strengen Schutzes dieser Tiere von Seite der Jägerschaft hätte zwangsläufig auch deren Glaubwürdigkeit als Naturschutzorganisation zur Folge. Vor dem Hintergrund, dass die Schonzeiten infolge der nicht zu erfüllenden Abschusszahlen im ganzen Land aufgehoben werden, würde die undifferenzierte Teilung der Aussagen der Landwirtschaftsvertreter noch unverständlicher.

Dies als Feedback zur JHV der Jägerschaft von mir mit der Bitte um Beantwortung meiner Fragen.

Mit freundlichem Gruß

Mag. Franz Ströhle