Wanderwege kommen zunehmend unter die Räder

 „Wanderbares“ Vorarlberg?

Leider nein!

Gute Wanderwege sind Voraussetzung, um eine Landschaft, die noch intakt ist, zu Fuß, qualitätvoll und mit Freude zu erkunden.

Alpenverein und Alpenschutzverein Vorarlberg machen erneut darauf aufmerksam, dass Wanderwege in Vorarlberg buchstäblich unter die Räder kommen. Ursula Breuer vom Vorarlberger Alpenverein und Franz Ströhle, Obmann des Alpenschutzvereines Vorarlberg sind intakte Wanderwege eine Herzensangelegenheit.  Beide zeigen auf, dass es leider Realität und gängige Praxis in unserem Land ist, dass gewachsene und traditionell seit langem begangene Fußwege als Fahrwege überbaut werden und damit nicht nur Landschaftsstörend wirken, sondern die Qualität als Fußweg verlieren. Mit der Auflassung oder Zerstörung von intakten Wanderwegen werde auch wertvolles Kulturgut vernichtet, so die Kritik. Als aktuelles Negativbeispiel wird ein Projekt der Tourismus Gemeinde St. Gallenkirch genannt, die den Fußweg von der Alpe Rongg aufwärts, Richtung Täscher, ohne naturschutzfachliche Genehmigung zu einer Fahrstraße verbreitern ließ. Die Genehmigung wurde von der BH Bludenz erst nachträglich erteilt, doch gerade diese Praxis, vollendete Tatsachen zu schaffen die von der Behörde nachträglich genehmigt würden, sei leider kein Einzelfall, beklagen die Proponenten der beiden Vereine. Jährlich gehen so viele km Wanderwege verloren.  Der wuchernde Forst und Güterwegebau mache auch nicht halt vor sensibelsten Gebieten, selbst die Kernzonen im Lebensraum des streng geschützten Auerwildes würden nicht verschont, wie aktuell das Beispiel Mooswaldwege im Bezirk Dornbirn/Ebnit zeige. In diesem Fall wurden Wanderwege gesperrt, da Störungen des Auerwildes befürchtet wurden. Eine neue Forststraße die eine wesentlich größere Unruhe durch den Bau, die nachfolgenden Holzarbeiten und Biker in das Gebiet bringt, wurde aber genehmigt.

Als Grundübel orten Breuer und Ströhle die Förderpraxis des Landes, die sich hauptsächlich an wirtschaftlichen Kriterien orientiere. Die enormen Erhaltungskosten der inzwischen auf km 3890 km (Stand 1. 1. 2019) angewachsenen Forst und Güterwege im Land werden aber der Allgemeinheit aufgebürdet. Der Erschließungsgrad durch geförderte Forststraßen und Güterwege sei mittlerweile so ausgereizt, dass ein weiterer Ausbau nur noch die letzten Rückzugsgebiete und sensiblen Zonen unseres Landes betreffe. Diese Förderpraxis vernichtet nicht nur Kulturgut und ist naturschädigend, sie steht auch im Widerspruch zu einem „wanderbaren“ Vorarlberg. Diese Praxis muss deshalb geändert werden, so die eindringliche Forderung.