„Skiarena Zürs“

2020-10-17

Bei der Bewilligung von naturzerstörenden Projekten müssen die Behörden immer die vorgeschriebene Abwägung zwischen zwischen den Interessen des Naturschutzes und des öffentlichen Interesses abwägen. Warum wird dabei fast immer dem öffentlichem Interesse der Vorrang eingeräumt? Wenn die wirtschaftlichen Interessen wirklich so hoch sind, dann müssten solche Projekte ja nicht mit öffentlichen Geldern gefördert werden.

Würden die Behörden das öffentlioche Interesse (der Vorarlberger Bevölkerung) berücksichtigen, dann dürften derart krasse Eingriffe in die Natur nicht mehr genehmigt werden, denn 86% der Österreicher sind gegen einen weiteren Ausbau von Skigebieten (aktuelle Umfrage WWF). Also vertreten die Behörden die Interessen einer kleinen Klientel und nicht die Interessen der Bürger.

Leserbrief:

Geländekorrekturen Zürs

Es ist immer wieder interessant die verschiedenen Perspektiven zu ein und demselben Thema zu sehen und zu hören. Die eine Seite fühlt sich als „stolze Vorarlberger“, die andere Seite beklagt die ungebrochene Zerstörung der Natur für den schnöden Mammon. Beide Sichtweisen sind aus deren jeweiliger Perspektive verständlich. Was mich aber erzürnt ist die Arroganz der Naturzerstörer und das Augenzwinkern der Behörden. Zum einen werden permanent nichtbewilligte Eingriffe durchgeführt, zum anderen werden die massiven Geländeveränderungen verharmlost. Stefan Jochum, Chef des Organisationskomitees in Zürs im ORF: „Man hat oben ein Stück weg, unten ein Stück hin, und jetzt ist´s ein perfekter Rennhang.“ Diese eklatante Verharmlosung beschreibt eine Baustelle im alpinen Gelände mit 17.000 m3 Materialbewegung, für die wochenlang 6-8 Bagger im Einsatz waren. Dies ist ja leider kein Einzelfall, sondern erweckt den Eindruck System zu sein, wie das Projekt „Speicherteich“ Schwarzköpfle und die Baustelle Speichererweiterung Schafberg/Gargellen zeigen. Es scheint sich mit behördlicher Bewilligung das „Prinzip Pippi Langstrumpf“ etabliert zu haben: „Ich mach mir die Welt, widdewidde, wie sie mir gefällt.“ Es gibt in der Bevölkerung schon lange keine Zustimmung mehr für diese Naturzerstörungen (86% Ablehnung laut aktueller WWF-Umfrage). Wann kommt dies endlich im Landhaus an.

Doris & Erich Zucalli

 

2020-09-25
Auch in der Landesregierung wird das Projekt kritisiert

Die Grünen als Koalitionspartner in der Landesregierung haben der Landesförderung für diese Naturzerstörung nicht zustimmen können.
„Steuergelder für Ski-Weltcup haben in Krisenzeiten nicht die höchste Priorität. 1,3 Mio Euro Landesmittel für die private Lech-Zürs GmbH sind unverhältnismäßig.“ so Daniel Zadra, Klubobmann der Grünen im Vorarlberger Landtag

2020-09-19
Nachdem sich unser Obmann Franz Ströhle selbst ein Bild über die Situation vor Ort gemacht hat, musste er seinem Ärger über die anhaltende Zerstörung der Natur für die fragliche Veranstaltungen mit einem VN Leserbrief Luft verschaffen. Soll es immer so weitergehen, oder stehen die Verantwortlichen in der Landesregierung endlich zu ihren Sonntagsreden, wenn es um Natur- und Klimaschutz geht?

Skiarena Zürs

Was sich derzeit in Zürs abspielt, um ein Weltcuprennen vorzubereiten, spottet jeder Beschreibung. Man gewinnt den Eindruck, dass gewaltsam mit zahlreichen Baggern daran gearbeitet wird, diesem ohnehin nicht mit Anmut gesegneten Ort die letzte Natürlichkeit auszutreiben. Wenn man in der Berichterstattung von „leichten Veränderungen im Gelände“ und vom letzten Schliff für den Weltcuphang liest und dass für Ortlieb alles im grünen Bereich ist, „weil nach dem nächsten Regen alles wieder grün aussieht“, dann denkt man unwillkürlich an Trumps „alternative Fakten.“ Wenn diese Schändung der Natur in diesem Ausmaß die Voraussetzung für diesen Sport ist, dann gehört er umgehend verboten.

Die Naturschutzanwaltschaft und acht Naturschutzorganisationen haben im Februar 2020 ein Schreiben an LH Wallner gerichtet, in dem sie die Landesregierung sinngemäß auffordern, alle geförderten Projekte auf Klima- und Umweltverträglichkeit zu überprüfen. Im Antwortschreiben des Landeshauptmannes ist zu lesen, dass man sich selbstverständlich zu den Zielen des Klima- und Umweltschutzes bekenne und an dessen konkreter Umsetzung arbeite. Angesichts solcher Projekte und der Diskrepanz zu diesen Absichtserklärungen und der Intension des GNL, Gesetz über Natur und Landschaftsentwicklung, fühlt man sich als NGO verhöhnt.

Franz Ströhle, Alpenschutzverein Vorarlberg, Dornbirn