„Skiarena Zürs“

2020-11-21

Das weiße Band im Fördersumpf von Zürs

Ein lesenswerter Artikel im Standard. Er zeigt gnadenlos und kompakt die Ungereimtheiten und die Abläufe beim Bau der FIS-Strecke in Zürs auf. Im Lichte dieses Artikels müssen wir uns zu Recht fragen, wer darf was und bekommt dafür noch Unsummen von Steuergeldern. Wer übernimmt dafür die politische Verantwortung? Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass die kritische Öffentlichkeit in Zusammenarbeit mit unabhängigen Medien in einer Demokratie unersetzlich sind.

pdf herunterladen: Der Sumpf von Zürs DerStandard 2020-11-21

2020-11-21

Es hat lange gedauert, doch heute (nach Reklamation) wurde der Leserbrief von unserem Obmann Franz Ströhle endlich in den VN veröffentlicht.

Zürs kein Einzelfall
Weder die fehlenden Genehmigungen noch die massive Mitfinanzierung aus öffentlichen Geldern für naturzerstörende Projekte sind ein Einzelfall. Die vielen anderen Beispiele aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Leserbriefes sprengen. Auch eine Überprüfung der Projekte auf Natur- und Klimaverträglichkeit, wie von der Landesregierung nach der Ausrufung des Klimanotstandes angekündigt, ist bisher nur heiße Luft. Derzeit wird den Befürwortern der Skiarena medial viel Platz eingeräumt, alles „zu-Recht-zu-rücken“. Es ist erstaunlich, was da alles zur Rechtfertigung an den Haaren herbeigezogen wird. Sogar der Behindertensport wird bemüht und selbst das Wetter wird verantwortlich gemacht. Weltweit protestieren Jugendliche gegen Natur und klimaschädigende Aktivitäten, doch die Betreiber behaupten unbeirrt, dass alles nur zum Wohl der Jugend geschieht. Diese Art Sport ist das perfekte Spiegelbild einer neoliberalen, wachstumsorientierten Vermarktungsideologie. Mit Gesundheitsförderung hat das schon lange nichts mehr zu tun. Andere zukunftsweisende Perspektiven anzuvisieren und umzusetzen sollte gerade jetzt das Ziel verantwortungsvoller Politik sein, und das heißt, öffentliche Gelder nur dort einzusetzen, wo sie gesellschaftspolitisch förderlich, human und naturverträglich wirken. Die Skiarena Zürs gehört da sicher nicht dazu.
Franz Ströhle
Alpenschutzverein, Dornbirn

2020-11-18

Die medialen Wogen gehen hoch. Es entbrannte ein Streit über die Anzahl der Anzeigen bei der Errichtung der Skiarena Zürs. Waren es nun 5 Anzeigen oder nur drei Anzeigen? Natürlich waren es 5 Anzeigen. Auch wenn Bürgermeister Stefan Jochum bei NbN (Neues bei Neustädter) im ORF stark zu relativieren versuchte, wurden fast alle Themen angesprochen. Leider fehlte das illegal angelegte Schneedepot, das nicht durch Korona oder die Wahlen argumentiert werden konnte. Jetzt wird von den Verantwortlichen für den Bau der Piste scheinheilig die Jugend und die Behinderten in den Vordergrund geschoben. Tatsache ist, dass die Motivation für diese Natursünde allein das Prestige und der Werbeeffekt der beiden Weltcuprennen für Lech waren.

Aus unserer Sicht sind die Organisatoren der Gruppe der Klimaleugner zuzuordnen. Die Vergangenheit hat schon gezeigt, dass auch in dieser Höhenlage im November ein Skirennen nur mit enormen Energie- und Kostenaufwand organisiert werden kann. Fünfundzwanzig Schneekanonen und ungezählte Fahrten von fünfachsigen LKW´s zum Altschneetransport waren nötig, um eine kleine Fläche für ein teures Rennen zu präparieren. Dass diese riesigen LKW´s über einen illegal gebauten und im nachhinein beantragten „Viehtriebweg“ fahren, setzt den vielen illegalen Machenschaften die Krone auf.

Wie unser Obmann Franz Ströhle in der Sendung NbN richtig anmerkte, ist die Skiarena Zürs leider nicht die einzige illegale und im nachhinein genehmigte Aktion in unserem „subra Ländle“. Wir schließen uns der Meinung vieler Bürger*innen an, die meinen, dass sich die „Reichen & Wichtigen“ es sich richten können und über den Gesetzen stehen.

 

2020-10-25

„a Pflästerle“ für die tiefe Wunde Bild: Dagmar Sottopietra

Die Bagger sind abgezogen, das Baustellengelände planiert, das Gras eingesäht und der künstliche Schnee verdeckt schon fast die gesamte Wunde in der Natur. Doch die Schneekanonen und die Lichtmasten markieren die Sünde in der Landschaft, auch wenn die kommende Schneedecke versucht, ein skitouristisches Wintermärchen für einige Monate zu zaubern. Doch wenn wir dann im Frühling aus diesem Traum aufwachen, schockiert uns die hässliche Wunde dann hoffentlich umso mehr. Denn dann wird ein kümmerlicher Rest dieses Traumes mit Pistenraupen auf einen unnatürlichen Haufen zusammengeschoben und wieder mit Hackschnitzel abgedeckt, um die wertvolle Ressource Schnee über den Sommer zu bringen. Müssen wir uns an diese neue „Kulturlandschaft“ gewöhnen?

„Ich kam – ich sah – künstliche Landschaften“ – dies mag unserer Ausschusskollegin Dagmar Sottopietra durch den Kopf gegangen sein, als sie diesen Naturfrevel fotografiert hat. Sollten wir nicht den neuen Berg aus Hackschnitzel und den kunstvollen Stangenwald aus Lichtmasten, militärisch flankiert durch „Schneekanonen“, für die Sendung „Neun Plätze – neun Schätze“ nominieren?

Fata Morgana oder Realität? Bild: Dagmar Sottopietra
Natur pur Bild: Dagmar Sottopietra

 

 

 

 

 

 

 

 

Gletschermoräne oder Hackschitzelabfall Bild: Dagmar Sottopietra
Die echten Berge ins rechte Licht rücken Bild: Dagmar Sottopietra

 

 

 

 

 

 

 

 

2020-10-17

Bei der Bewilligung von Projekten müssen die Behörden immer eine Abwägung vornehmen was im öffentlichen  Interesse ist. Es ist gängige Praxis, dass fast durchwegs die wirtschaftlichen Interessen schwerer gewichtet werden, als die Naturschutzinteressen, selbst in Schutzgebieten. Wenn die wirtschaftlichen Interessen wirklich so hoch sind, dann müssten solche Projekte ja nicht mit öffentlichen Geldern gefördert werden.

Würden die Behörden das öffentliche Interesse (der Vorarlberger Bevölkerung) berücksichtigen, dann dürften derart krasse Eingriffe in die Natur nicht mehr genehmigt werden, denn 86% der Österreicher sind gegen einen weiteren Ausbau von Skigebieten (aktuelle Umfrage WWF). Also vertreten die Behörden die Interessen einer kleinen Klientel und nicht die Interessen der Bürger.

Leserbrief:

Geländekorrekturen Zürs

Es ist immer wieder interessant die verschiedenen Perspektiven zu ein und demselben Thema zu sehen und zu hören. Die eine Seite fühlt sich als „stolze Vorarlberger“, die andere Seite beklagt die ungebrochene Zerstörung der Natur für den schnöden Mammon. Beide Sichtweisen sind aus deren jeweiliger Perspektive verständlich. Was mich aber erzürnt ist die Arroganz der Naturzerstörer und das Augenzwinkern der Behörden. Zum einen werden permanent nichtbewilligte Eingriffe durchgeführt, zum anderen werden die massiven Geländeveränderungen verharmlost. Stefan Jochum, Chef des Organisationskomitees in Zürs im ORF: „Man hat oben ein Stück weg, unten ein Stück hin, und jetzt ist´s ein perfekter Rennhang.“ Diese eklatante Verharmlosung beschreibt eine Baustelle im alpinen Gelände mit 17.000 m3 Materialbewegung, für die wochenlang 6-8 Bagger im Einsatz waren. Dies ist ja leider kein Einzelfall, sondern erweckt den Eindruck System zu sein, wie das Projekt „Speicherteich“ Schwarzköpfle und die Baustelle Speichererweiterung Schafberg/Gargellen zeigen. Es scheint sich mit behördlicher Bewilligung das „Prinzip Pippi Langstrumpf“ etabliert zu haben: „Ich mach mir die Welt, widdewidde, wie sie mir gefällt.“ Es gibt in der Bevölkerung schon lange keine Zustimmung mehr für diese Naturzerstörungen (86% Ablehnung laut aktueller WWF-Umfrage). Wann kommt dies endlich im Landhaus an.

Doris & Erich Zucalli

 

2020-09-25
Auch in der Landesregierung wird das Projekt kritisiert

Die Grünen als Koalitionspartner in der Landesregierung haben der Landesförderung für diese Naturzerstörung nicht zustimmen können.
„Steuergelder für Ski-Weltcup haben in Krisenzeiten nicht die höchste Priorität. 1,3 Mio Euro Landesmittel für die private Lech-Zürs GmbH sind unverhältnismäßig.“ so Daniel Zadra, Klubobmann der Grünen im Vorarlberger Landtag

2020-09-19
Nachdem sich unser Obmann Franz Ströhle selbst ein Bild über die Situation vor Ort gemacht hat, musste er seinem Ärger über die anhaltende Zerstörung der Natur für die fragliche Veranstaltungen mit einem VN Leserbrief Luft verschaffen. Soll es immer so weitergehen, oder stehen die Verantwortlichen in der Landesregierung endlich zu ihren Sonntagsreden, wenn es um Natur- und Klimaschutz geht?

Skiarena Zürs

Was sich derzeit in Zürs abspielt, um ein Weltcuprennen vorzubereiten, spottet jeder Beschreibung. Man gewinnt den Eindruck, dass gewaltsam mit zahlreichen Baggern daran gearbeitet wird, diesem ohnehin nicht mit Anmut gesegneten Ort die letzte Natürlichkeit auszutreiben. Wenn man in der Berichterstattung von „leichten Veränderungen im Gelände“ und vom letzten Schliff für den Weltcuphang liest und dass für Ortlieb alles im grünen Bereich ist, „weil nach dem nächsten Regen alles wieder grün aussieht“, dann denkt man unwillkürlich an Trumps „alternative Fakten.“ Wenn diese Schändung der Natur in diesem Ausmaß die Voraussetzung für diesen Sport ist, dann gehört er umgehend verboten.

Die Naturschutzanwaltschaft und acht Naturschutzorganisationen haben im Februar 2020 ein Schreiben an LH Wallner gerichtet, in dem sie die Landesregierung sinngemäß auffordern, alle geförderten Projekte auf Klima- und Umweltverträglichkeit zu überprüfen. Im Antwortschreiben des Landeshauptmannes ist zu lesen, dass man sich selbstverständlich zu den Zielen des Klima- und Umweltschutzes bekenne und an dessen konkreter Umsetzung arbeite. Angesichts solcher Projekte und der Diskrepanz zu diesen Absichtserklärungen und der Intension des GNL, Gesetz über Natur und Landschaftsentwicklung, fühlt man sich als NGO verhöhnt.

Franz Ströhle, Alpenschutzverein Vorarlberg, Dornbirn