Retten, was noch zu retten ist

Inventar Weißzone (Vorarlberg)

Wer die Alpen mit offenen Augen bereist oder erkundet, dem kann der drastische Wandel der alpinen Naturlandschaften nicht verborgen bleiben. Im Verlauf weniger Jahrzehnte wurde an viel zu vielen Orten im österreichischen Alpenraum die einstmals bergbäuerlich geprägte Kultur- und Almlandschaft durch Verbauungen und Nutzungen aller Art in brachialer Weise umgeformt und ihrer Würde beraubt. Vieles ist verloren gegangen. Darunter auch Naturjuwele von besonderer landschaftlicher Schönheit. Diese fehlgelaufene Entwicklung spiegelt das Versagen einer mäßig ambitionierten, vielfach auch an den Rand gedrängten Naturschutzpolitik. Mit der Inventarisierung der ursprünglichen, naturnahen und wenig erschlossenen Naturräume in Vorarlberg wurde nun für das westlichste Bundesland Österreichs eine Bestandsaufnahme der letzten nutzungsfreien Landschaftsfragmente und Planungsgrundlage für den alpinen Raum erarbeitet. Das Inventar Weißzone dokumentiert mittels wissenschaftlicher Methoden die massive Zerstückelung und Degradierung des alpinen Naturraumes durch Skigebietserweiterungen und -zusammenschlüsse, Verbauungen, Straßenflächen und Nutzungseingriffe. So gibt es in Vorarlberg nur noch sieben unerschlossene Seitentäler und an keinem Ort ist man mehr als 2,83 km von der nächsten Straße entfernt!

Zur Erhaltung der letzten unberührten Naturinseln ist die Ausweisung zusätzlicher großflächiger Schutzgebiete, wie Wald- und Naturreservate, unabdingbar. Um zu retten, was noch gerettet werden kann, ist eine verantwortungsbewusste Politik gefragt, welche dem Naturschutz eine stärkere Stellung einräumt und ihm auch in strittigen Genehmigungsverfahren ein übergeordnetes öffentliches Interesse zuerkennt.