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emotionale Diskussion über Radweg im Bregenzerachtal

2023-12-03

Dass die Diskussion um einen Radweg durch das Achtal von Kennelbach nach Bozenau sehr emotional diskutiert wird liegt an den unterschidlichen Interessen der Beteiligten. Die Einen möchten eine breite Freizeitstraße für ihre E-Bikes durch die fast unberührte Naturlandschaft der Bregenzerachschlucht. Die Anderen wollen das NATURA2000-Gebiet als Naturjuwel erhalten. Beides sind aus unserer Sicht legitime Interessen. Doch wenn Landesrat Daniel Zadra in Ausübung seiner politischen Pflicht zum Rücktritt aufgerufen wird, dann wird die Sache zu emotional.

Leserbrief Erich Zucalli:

Achtalradweg

Zum Leserbrief „Achtalradweg“ von Robert Bänziger, VN vom 1. 12. 2023:

Ich möchte auf die Aussage von Herrn Bänziger eingehen: „Ein Landesrat als Gegner gehört nicht in die Landesregierung.“ Aus meiner Sicht ist Landesrat Daniel Zadra von den Grünen sicher der Letzte, der sich gegen einen vernünftigen Radweg zur Milderung des Klimanotstandes aussprechen würde. Er hat sich korrekterweise im Rahmen unserer geltenden Gesetzeslage bewegt und über anerkannte Rechtsexperten die Bewilligungsfähigkeit des sehr teuren Freizeitprojekts untersuchen lassen. Das Ergebnis ist nun bekannt. Ein verantwortungsvoller Politiker musste nun entscheiden, ob ein rechtlich so unsicheres Projekt weiterverfolgt werden soll.

Als Vorstandsmitglied des AlpenSchutzVereins freut es mich natürlich, dass geltendes nationales und EU-Recht unser aller Naturjuwel Achtal am Rande der Industrieregion unteres Rheintal, das schon seit 1995 ein gesetzlich stark geschütztes natura-2000-Gebiet ist, erhalten bleibt. Würden andere Politiker genauso verantwortungsvoll entscheiden, wenn es um die Zukunft unserer Natur und ums Überleben unserer Kinder und Kindeskinder im Klimawandel geht, dann hätte ich weniger Sorgen um die Zukunft. Dann würden auch keine sinnlosen, klimaschädlichen und zudem sündteuren Projekte wie Tunnelspinne und S18 weiterverfolgt werden. Doch letztendlich wird die Geschichte zeigen, wer Verantwortung für Mensch und Natur übernommen hat.

Erich Zucalli, Dornirn

 

2023-11-28

Nach langer Diskussion über die Für und Wider zum Radweg im Bregenzerachtal wurde nun endlich Klarheit geschaffen. Ein von der Vorarlberger Landesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten wurde nun von Univ.-Prof. Dr. Peter Bußjäger, Innsbruck und Univ.-Prof. Dr. Daniel Ennöckl, Wien erstellt und veröffentlicht.

=>>Gutachten

Darin ergibt sich für die Experten eine klare Stellungname, der im letzten Satz des Gutachtens zum Ausdruck kommt:
Da bei der Errichtung eines Radweges in einem Natura 2000-Gebiet gravierende nachteilige Auswirkungen auf das Schutzgebiet (vor allem in der Bauphase) wahrscheinlich sind und uU prioritäre Arten beeinträchhgt könnten, gehen wir von einem weit überdurchschnillichen Verfahrensrisiko aus.

Durch dieses Gutachten ist auch die Position des AlpenSchutzVereins und vieler weiterer Naturschutzorganisationen für den Erhalt der Natur im NATURA2000-Gebiet fachlich untermauert. Dazu noch der Leserbrief unseres Omannes Franz Ströhle in den heutigen VN:

Die gute Nachricht

Für die Befürworter eines Radweges im Achtal ist die rechtliche Einschätzung der Juristen Peter Bußjäger und Daniel Ennöckl, dass ein solcher kaum durchsetzbar ist, sicher eine herbe Enttäuschung. Wenn jedoch ein Wanderweg mit der nötigen Sensibilität umgesetzt und die baulichen Eingriffe auf das Notwendigste beschränkt werden, kann das ein Gewinn für den ganzen Bregenzerwald werden. Dr. Helmut Tiefenthaler hat im Bregenzerwald-Heft des Heimatpflegevereins 40/2021 auf eindrückliche Weise das Thema „Erholung auf Waldwegen in Zeiten des Klimawandels“ behandelt. Er weist darin auf einen (verborgenen) Schatz hin, der in Zukunft noch wertvoller wird. Er schrieb: „Im Bregenzerwald wird künftig noch mehr als in der Vergangenheit als Vorteil erkannt werden, wenn Einheimische und von auswärts kommende Gäste schattenkühle Naherholungsgebiete aufsuchen können. Wer mit diesen näher vertraut wird, weiß bald aus eigener Erfahrung, wo an Hitzetagen auf Waldwegen das gesuchte Wohlfühlklima am leichtesten zu finden ist“ Von den 1300 km Spazier- und Wanderwegen des Bregenzerwaldes sind nach seiner Beschreibung fast ein Drittel Waldwege. Die vielfältigen Waldgesellschaften, die gute kühle Luft, der Vorteil der Entschleunigung für das Naturerlebnis und die gesundheitlichen Aspekte finden ebenso Erwähnung. Was also für viele vorerst enttäuschend erscheint, kann zu einem unschätzbaren Mehrwert werden.

Franz Ströhle, Alpenschutzverein für Vorarlberg, Dornbirn

 

2023-07-06

Vielen Dank an Herbert Koschier aus Lustenau für seinen Leserbrief, der die Position des AlpenSchutzVereins unterstützt. Der massive Eingriff für einen sicheren Radweg in die Natur im Achtal wäre ein Dammbruch für die Zerstörung der letzten naturnahen Plätze im Nahbereich des bevölkerungsreichen Rheintals.

Letztes Wochenende bin ich zusammen mit meiner Frau den Achtalweg von Doren nach Kennelbach gewandert. Ich kenne diesen Weg seit den 80er-Jahren und bin ihn oft – auch als aktiver Angler – abgegangen. Immer wieder bin ich fasziniert von der ursprünglichen Natur, die ich vorfinde. Die Gegend ist ein Biotop für gefährdete Amphibien. Der Ausbau zu einem Radweg würde zu negativen Veränderungen führen, die ich mir in ihrer Konsequenz gar nicht vorstellen mag. Der dadurch erleichterte Zugang zu traumhaften Badestellen würde ohne Zweifel zu einer – wie von Alpenschutzvereins­obmann Ströhle berichtet – erhöhten Verschmutzung im gesamten Bereich führen. Die gefahrlose Entwicklung von gefährdeten Arten würde zerstört. Dieses Naturjuwel würde massiven Schaden nehmen, der unumkehrbar ist. Sehr zum Leid unserer Kinder und Enkel. Die Kosten für den Bau eines Radweges und dessen laufende Erhaltung wären enorm. Es ist mir unbegreiflich, wie in Zeiten, in denen die Verbauung der Natur, der Rückgang der Artenvielfalt, das Fortschreiten der Klimaerwärmung eigentlich zu einem gesellschaftlichen Umdenken führen müssten, so ein Projekt mit dieser Vehemenz gefordert wird. Zum Nutzen einiger Weniger. Ich plädiere für den maßvollen Ausbau eines Wanderweges, der vielen Naturliebhabern und Urlaubsgästen einige Stunden in unverbrauchter Natur gewährleistet. Und letztlich dem Ziel einer enkeltauglichen Zukunft zuträglich wäre.

 

2023-06-29

Der heutige Leserbrief unseres Obmannes soll bewusst eine Gegenposition zu den Befürwortern der Radautobahn im Bregenzerachtal sein:

Nur ein kleiner Teil des Mülls, den wir mit High5 jedes Jahr entfernen

Wollen wir das?

Es ist ja lobenswert, wenn sich viele Leute für ein Anliegen einsetzen und für oder gegen einen Radweg im Achtal Stellung beziehen und sich engagieren. Es ist auch gut, wenn immer mehr Leute das Rad als Verkehrsmittel nutzen, nur stellt sich auch die Frage, ob Radfahrer überall und zu jedem Preis sein müssen. Technisch ist heute fast alles möglich, doch möchte ich mir die Auswirkung auf das Natura- 2000- Gebiet gar nicht erst vorstellen. Für die Errichtung eines Radweges wäre eine LKW taugliche Baustraße notwendig und für die Sicherung des labilen Hanges aufwändige Stützbauten, Stahlsicherungsnetze und Zäune. Durchfahrende Radfahrer wären auch nicht das große Problem, doch der Freizeitrummel mit Saufgelagen an der Ache, die schon jetzt problematisch sind, würde durch die leichte Erreichbarkeit explodieren. Schon jetzt ist unsere Aktion „Saubere Alpen saubere Gewässer“ mit Unterstützung von High5 jedes Jahr dringend notwendig, um wenigstens die gröbste Vermüllung zu beseitigen. Immer mehr Fußwege kommen buchstäblich unter die Räder und das wäre auch hier der Fall. Das unmittelbare Naturerlebnis gibt es nur beim aufmerksamen Zu- Fuß- Gehen. Den Wanderweg erhalten ist daher eine gute Entscheidung. Eine bessere Möglichkeit, die Menschen an der Natur teilhaben zu lassen,gibt es nicht.

Franz Ströhle, Alpenschutzverein für Vorarlberg, Dornbirn

 

Das Achtal ist ein guter Lebensraum für die geschützte Gelbbauchunke

2023-05-12

Warst du schon mal im Bregenzerachtal? Ein wunderschönes NATURA2000-Gebiet entlang der ehemaligen Trasse der Bregenzerwaldbahn (Wälderbähnle), von Kennelbach bis Bozenau. Naturgewalten wie Steinschläge, Muhren, Unterspühlungen der Trasse, und viele andere Unwägbarkeiten waren mit ein Grund für die Einstellung dieser Bahnstrecke im Jahr 1983.  ==>weitere Infos

In diesen 40 Jahren eroberte sich die Natur Jahr für Jahr ihren Platz zurück. Nur ein teilweise schwer passierbarer Wanderpfad blieb übrig. Auch wenn einige verwegene Mountainbiker diese Strecke fahren und schieben, ist dieser Weg für Naturliebhaber immer wieder ein Abenteuer. Von Botzenau bis Egg wurde die alte Trasse in einen breiten Radweg umgebaut. Somit kamen die Radfahrer und die Naturliebhaber auf ihre Rechnung.

Leider gibt es einige Menschen, die sich als Radfahrer eine durchgehende Strecke von Egg bis Kennelbach wünschen und permanent Druck auf die Landesregierung ausüben. Dabei scheint ihnen die Natur völlig egal zu sein. Die letzten naturnahen Flecken wollen sie dem Vergnügen opfern. Egal, wenn es ein Europaschutzgebiet ist, das durch den Bau einer Radautobahn zerstört werden würde. Ganz abgesehen von den gewaltigen Kosten für eine sichere Radverbindung in dem labilen Gelände.

Wenn du dir einmal die Zeit nimmst, um von Kennelbach aus ein Stück des Weges zu erkunden, mit offenen Augen durch diesen faszinierenden Teil der Schlucht schlenderst, dann kannst du verstehen, warum der AlpenSchutzVerein sich gegen eine Radautobahn auspricht.

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