Beschwerde gegen Wolfsabschuss-Bescheid

2024-02-05

Es ist schon erstaunlich, wie schnell die BH-Bludenz einen Bescheid zum Abschuss eines sogenannten „Problemwolfes“ erlassen kann. Am 31. Jänner wurde vermutlich ein Wolf in Bludenz gesichtet, und mit 31. Jänner wurde unmittelbar ein Bescheid über die „Ausnahmebewilligung für die Entnahme eines Wolfsindividiums“ ausgestellt. Wer hat da wohl interveniert? Hat da ein Landesrat oder gar der Landeshauptmann angerufen? Diese reflexartige Geschwindigkeit wird von unserer Naturschutzanwältin treffend formuliert: “Mir kommt es schon etwas vor, wie im Wilden Westen. Zuerst wird jemand erschossen, dann fragt man nach seinem Namen.”

Artikel in den VN:

Deswegen legt Alpenschutzverein Beschwerde gegen Wolfabschuss-Bescheid ein.Den Inhalt dieses Plakats beherzigt Franz Ströhle, Obmann des Alpenschutzvereins Vorarlberg, auch in Sachen Wolf. <span class="copyright">Ströhle</span>

Obmann Franz Ströhle lässt die Begründung für die behördliche Genehmigung zum Abschuss des Bludenzer Wolfs nicht gelten.

VN – klaus.haemmerle@vn.at

Dornbirn, Bludenz Es kam, was kommen musste: eine erste Beschwerde gegen die „Ausnahmebewilligung für die Entnahme eines Wolfsindividuums“, ausgestellt durch die Bezirkshauptmannschaft Bludenz. Eingebracht wurde diese vom Alpenschutzverein für Vorarlberg.

Der dem Bescheid zugrundeliegenden Argumentation widerspricht Alpenschutzvereinsobmann Franz Ströhle entschieden. „Der Wildökologe hat klar festgestellt, dass das Verhalten des Individuums für einen durchziehenden Wolf vollkommen normal war. Er zeigte deutliche Scheu und keinerlei aggressives Verhalten. Daher gehe von diesem Individuum keinerlei Gefahr für den Menschen aus“, formuliert Ströhle in seiner Beschwerde eines seiner Argumente.

Scheu oder doch nicht scheu?

Darüber hinaus stößt sich Ströhle an der Bezeichnung „ataktischer Gang“, die im Bescheid vorkommt. Damit ist eine Gleichgewichtsstörung gemeint, die beim gefilmten Tier zu erkennen gewesen sei. „Die war selbst für Experten nicht erkennbar“, hält Ströhle fest.

Es könne auch nicht behauptet werden, der Wolf zeige keine Scheu vor Menschen. „Die Scheu des Wolfes ist auf den Menschen bezogen und nicht auf ein Gebäude. Ein wandernder Wolf, der für seine Fortbewegung auch Straßen und Wege der Menschen nutzt, tangiert deshalb zwangsweise auch Siedlungsbereiche während der Nachtstunden“, schreibt Ströhle in seiner Beschwerde.

Eine unmittelbare Auswirkung hat die Beschwerde des Alpenschutzvereinsobmannes nicht. Im Bescheid der BH Bludenz dort heißt es ausdrücklich: „Die aufschiebende Wirkung einer allfälligen Beschwerde gegen den vorliegenden Bescheid wird ausgeschlossen.“

Auch wenn die Beschwerde keine aufschiebende Wirkung hat, wir sind wie die Fachleute der Meinung, dieser Wolf kann von den Jägern sowieso nicht erwischt werden. Problematisch ist auch die Tatsache, das wenn überhaupt, dann irgendein Wolf abgeschossen wird, und nicht genau der Wolf, der den Politikern vor Angst das Denkvermögen raubt.

=>Kommentar Naturschutzanwältin

 

2023-12-04

In einem Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes wurde die Verordnung zum Abschuss des Wolfes mit der Kennzeichnung 181 MATK aufgehoben.

Zur Erinnerung: Die BH Bludenz hat nach mehreren Rissen von verschiedenen Nutztieren den Abschuss eines Problemwolfes genehmigt. Gegen diesen Bescheid haben der AlpenSchutzVerein mit anderen Naturschutzorganisationen Beschwerde bei Landesverwaltungsgericht eingebracht.

Dr. Erik Schmid, Fachtierarzt für Tierhaltung und Tierschutz hat uns seine Expertise für die Beschwerde erstellt. Es wurde darin festgehalten, dass der Bescheid den wesentlichen Vorgaben der FFH- Richtlinie widerspreche. Es gäbe massive Bedenken zur Fachkompetenz und Unabhängigkeit des landwirtschaftlichen Gutachters auf dessen Aussagen der Bescheid aufgebaut wäre. Das Urteil des LVG umfasst 23 Seiten. Im Detail kann die Begründung hier deshalb nicht dargestellt werden. Vereinfacht gesagt konnten Beweise, dass genau der Wolf 181 MATK verschiedene Haustierrisse verursacht hat und damit als „Problemwolf“ eingestuft wurde, nicht erbracht werden. Wie soll von der Jägerschaft ein Problemwolf abgeschossen werden, der noch nie gesichtet wurde? Somit wäre jeder durchziehende Wolf zum Abschuss freigegeben worden. Auch waren mehrere behauptete Wolfsrisse Angriffe von Füchsen.

Was wir in der medialen Diskussion wahrnehmen, ist eine Dämonisierung des geschützten Wolfes. Wenn in einer industriealisierten Landwirtschaft der Wolf unerwünscht ist, muss er scheinbar sofort wieder ausgerottet werden. Alle anderen alternativen Maßnahmen werden generell als unwirtschaftlich abgelehnt.

Dieses Urteil zeigt auch wieder sehr schön auf, wie „unabhängig“ die Amtssachverständigen arbeiten, wenn die Politik den Abschuss fordert. Doch zum Glück gibt es Naturschutzorganisationen, die der Natur und den Lebewesen eine starke Stimmer verleihen.

 

2023-09-13

Angstmache durch die bewusste Doppelbedeutung der Gefahr

Nun ist es soweit. wegen einiger Schafsrisse wurde per Bescheid durch die BH-Bludenz der Abschuss eines Wolfes freigegeben. Scheinbar wurde der Druck aus der Poitik und den verschiedenen Interessensvertretungen so stark, dass sich die Behörde diesem Druck beugte und den Abschuss eines Wolfes frei gab.

Da sich aber durch diesen Bescheid mehr Fragen ergaben als Lösungsansätze, haben wir uns mit dem Thema nochmals etwas genauer auseinandergestzt und mit dem ehemaligen Amtstierarzt Erik Schmidt Kontakt aufgenommen. Seine Ausführungen zum Inhalt und der Begründung des Bescheides haben uns dann veranlasst, gegen diesen Bescheid Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht einzubringen.

Wir erwarten, dass die Verantwortlichen sich neutral mit dem Thema Wolf auseinandersetzen und Lösungen finden, die ein Nebeneinander von Wolf und Mensch ermöglichen. Auch die Einhaltung von Gesetzen zum Schutz des Wolfes ist eine Verantwortung der Politik und der Behörde.

Die Dämonisierung des Wolfes von den Bauern und deren Vertretern mit blutigen Bildern von gerissenen Schafen und lechzenden Wölfen hilft der Wahrheit auf keinen Fall. Oft gebärden sich die Bauern als die engagiertesten Tierschützer. Dabei dürfen wir nie vergessen, das Tierleid in unserer industrialisierten Landwirtschaft aus dem Blick zu verlieren.

„Der Wolf war einst Verbündeter des Menschen. Heute kann er, wie der Wildbiologe Ulrich Wotschikowsky so schön sagte, ein Augenöffner sein. Er hält uns Menschen den Spiegel vor. Denn die hitzige Debatte, die die Rückkehr des Wolfes begleitet, ist im Kern eine Debatte darüber, wie wir in Zukunft leben wollen: Sehen wir uns als Teil der Natur und geben ihr deshalb gleichzeitig den Raum zur Entfaltung, den sie braucht? Oder – und das scheint der Geist der Zeit zu sein – gehen wir auf Konfrontation und machen so ein Miteinander für alle Zeiten unmöglich?“

Wenn ihr auch neutral über die großen Beutegreifer informieren wollt, dann empfehlen wir folgende Homepage:
>>https://baer-wolf-luchs.at/

 

2022-07-12

Besonders ausgehend von den Standesvertretern der Bauern wird jeder Anlass für die Skandalisierung genutzt, um Stimmung gegen den Wolf zu machen. Unser Ausschussmitglied Ulli Schmid ist immer bemüht mit sachlichen Argumenten dagegen zu halten und das Thema differenziert zu sehen und zu behandeln. Obwohl das bei vielen Leuten nicht populär ist, stellt sie die richtigen Fragen und zeigt auf, wo der eigentliche Skandal ist. Dafür ist ihr jüngster VN Leserbrief ein gutes Beispiel.