Berechtigter Protest

2022-12-11

Gedanken von Franz Ströhle zu den Protesten von Extinktion Rebellion:

Das Naheliegende zuerst

Vor kurzem bin ich von einer Journalistin gefragt worden, wie ich zu den radikalen Aktionen von Extinktion Rebellion (deutsch: Rebellion gegen das Aussterben) stehe.
Meine Antwort: Ich muss zugeben, dass mich manche der Aktionen, besonders die Attacken auf Kunstwerke, irritiert haben und ich dachte, so erwirbt man sich keine Sympathien, selbst wenn das Anliegen noch so berechtigt ist.

Wenn die jungen Aktivisten aber von rechtslastigen Leuten als Terroristen beschimpft werden, geht das zu weit. Es ist zwar Sachschaden entstanden, aber die Kunstwerke (hinter Glas) wurden nicht beschädigt. Das Festkleben auf Straßen und Flugplätzen mit dem Einsatz des eigenen Körpers ist nicht nur mutig, es ist ein sehr wirksames Mittel des zivilen Ungehorsams, Sand in das Getriebe dieses verderblichen Systems zu streuen. Der eigentliche Skandal ist, dass die jungen Leute, um überhaupt gehört zu werden, diese drastischen Methoden anwenden müssen.

Die Forderung an die Regierungen, endlich wirksame Maßnahmen gegen die Ursachen des Klimawandels zu ergreifen, etwa die Einführung von Tempo 100 auf Autobahnen, wird inzwischen von vielen erhoben und ist grundvernünftig. Auf Vorarlberg bezogen sind die paar Minuten Zeitverlust vom Bodensee zum Arlberg vernachlässigbar. Es wäre eine spritsparende und klimawirksame Maßnahme, die sofort ohne große Kosten eingeführt werden könnte. Was in Tirol bestens funktioniert, soll hier nicht möglich sein? Dass die Partei, die in Vorarlberg die Richtung bestimmt, in Sachen Klima- und Naturschutz heillos hinter den Anforderungen nachhinkt, zeigt sich auch daran, dass wir als einziges Bundesland noch Heliskiing zulassen.

Wenn sich die politisch Verantwortlichen nicht zur Kursänderung entschließen können, müssen sie damit rechnen, dass dies bei zukünftigen Wahlen entsprechende Auswirkungen hat.